ETF – warum sind Indexfonds so beliebt bei den Anlegern?

ETF - beliebte Anlageklasse bei Privatanlegern

Was ist ein ETF?

Ein ETF ist ein an der Börse gehandelter Fonds, nämlich ein „Exchange Traded Fund“. Mit dem Kauf erwirbt man einen Anteil an dem Investmentfonds. Die Anlagen beziehen sich oft auf einen Index an der Börse, etwa auf den Dax, den Eurostoxx 50 oder auf amerikanische Aktienklassen wie den Dow Jones oder den S&P 500. Aber auch in Währungen und Rohstoffe oder in einzelne Branchen kann der Anleger mittels ETFs investieren.

Warum sind ETFs so beliebt bei den Anlegern?

Der Unterschied zu einem herkömmlichen Investmentfonds besteht darin, dass ETFs wie eine Aktie vom Anleger selbst gehandelt werden kann. Je nach Laune oder finanzieller Situation kauft oder verkauft der Privatanleger seine Anteile, das Kapital ist nicht bis zu einem festgelegten Zeitpunkt gebunden. So bewahrt sich der Investor eine höchstmögliche Flexibilität.

Zusätzlich überzeugt diese Investmentform durch ihre einfache Kostenstruktur, die auch für Börsenneulinge sofort durchschaubar ist. Und ETFs sind günstig, kosten im Jahr nur etwa 0,2 bis 0,5 Prozent an Gebühren. Denn die meisten werden passiv geführt und nicht noch zusätzlich aktiv gemanagt.

Damit entfallen die bei anderen Anlagen üblichen hohen Kosten für den Abschluss oder die Verwaltung. Auch fällt die Rendite meist besser aus als bei aktiv gemanagten Produkten, bei denen der Emittent – der jeweiligen Marktlage entsprechend – immer wieder umschichtet, was zu hohen Transaktionskosten führt.

Im Vergleich mit Einzelaktien überzeugt die breite Risikostreuung. Immer wieder sind bei einzelnen Unternehmen deutlich Verluste möglich, bei einer Insolvenz ist die Aktie sogar komplett wertlos. Bei einem Indexfonds investiert man jedoch nicht in eine einzelne Firma, sondern in ein ganzes Portfolio von Unternehmen oder sogar Branchen. Durch eine gescheite Zusammenstellung wird ein Totalverlust prinzipiell äußerst unwahrscheinlich.

Wie bildet der ETF einen Index nach?

Bei der Nachbildung oder Replikation eines Index haben sich vor allem drei Verfahren etabliert, die die Fondsgesellschaften nutzen. Bei der vollständigen oder auch physischen Replikation sind im ETF alle Wertpapiere enthalten, die auch im Index vorkommen, samt ihrer Gewichtung.

Allerdings verändert sich die Zusammensetzung immer wieder. Also müssen Einzelwerte ver- oder zugekauft werden, was zu hohen Kosten führt. Beim S&P 500 geht es immerhin um 500 Unternehmen, der MSCI World besteht aus 1 600 Einzelwerten. Der vollständig replizierende Indexfonds vollzieht immer genau die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Index.

Eine optimierte Replikation oder „physische Replikation mittels Sampling“ nimmt nur einen gewissen Teil der Wertpapiere des Index auf. Der Fondsmanager trifft also eine Auswahl, und diese Einschränkung sollte nicht das Ziel gefährden, die Wertentwicklung optimal nachzuvollziehen. Das Risiko hoher Kosten kann so minimiert werden, allerdings verringert sich die Streuung des Risikos. Trotzdem sind Indexfonds mit optimierter Replikation weit verbreitet.

Die komplizierte Variante

Erheblich unübersichtlicher wird es bei der synthetischen Replikation. Eine andere Bezeichnung für diese Konstruktion ist SWAP-ETF, und wir haben es hier mit einem Fonds zu tun, der nicht unbedingt Papiere enthalten muss, auf deren Index er sich bezieht. Ganz andere Aktien können hier im Investmentfonds zu finden sein oder Anleihen oder auch nur eine einzige SWAP-Position.

Denn Swap bedeutet Tausch oder Austauschen. Damit kann eine Vereinbarung gemeint sein, die der Fondsmanager mit der eigenen oder einer anderen Investmentbank eingeht. Dieser Vertragspartner verpflichtet sich, an den Fonds die Wertveränderung des abgebildeten Indexportfolios zu liefern. Die Investmentbank ihrerseits erhält vom Fonds den Wertpapierkorb, den er tatsächlich besitzt, und der Tausch ist perfekt.

Sinn dieses etwas unübersichtlichen Verfahrens ist es, Kosten einzusparen, die, wie oben gesagt, bei der kontinuierlichen Abbildung des Index fortlaufend entstehen. Der Nachteil ist offensichtlich – die Befürworter verweisen hingegen auf die Komplexität jedes Investmentfonds.

Warum gibt es so viele ETFs – viel mehr als die bekannten Indizes?

Grund für das inzwischen unübersichtliche Angebot an Indexfonds ist sicher die große Nachfrage bei den Anlegern. Zwar wird die Auswahl wegen der Vielfalt zeitaufwendiger, aber je nach Interesse findet sich bestimmt ein passendes Produkt.

Auf der anderen Seite haben die Geldhäuser das Interesse ihrer Kunden erkannt und lassen es nicht unberücksichtigt. Die angebotenen Papiere sind unterschiedlich konstruiert, um auch jede noch so exotische Erwartung abzubilden. Schließlich sind die Konstruktionsprinzipien unterschiedlich, was zu einer Potenzierung der Produkte führt, die zusätzlich jedem Anlageinteresse entgegenkommen wollen.

Was passiert mit Dividendenerträgen?

Wer mit ETFs in einen Indexfonds investiert ist, hat damit auch Anrecht auf die Dividendenzahlungen der im Portfolio versammelten Unternehmen. Kommt es zur Ausschüttung einer Gratifikation, wird die Zahlung direkt im Depot des Anlegers verbucht.

Übrigens gibt es auch Fonds, die sich auf Unternehmen spezialisiert haben, die eine hohe Dividende gewährleisten. Die sogenannten Dividenden-ETFs wählen Aktien genau nach diesem Kriterium aus. Einige haben sich zum Beispiel sogar auf den Zeitpunkt der Auszahlung spezialisiert.

Wer etwa auf eine regelmäßige Zahlung Wert legt, investiert deshalb in eine ETF-Anlage, dessen Unternehmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten über das Jahr verteilt ihre Dividende ausschütten.

Wie kann ich einen ETF kaufen – mit einem Sparplan oder direkt?

Bei einem ETF-Sparplan handelt es sich um einen Wertpapier-Sparplan, mit dem der Kunde auf lange Sicht Vermögen aufbauen kann. Er investiert monatlich einen gewissen Betrag in den Indexfonds und vermehrt sein Kapital kontinuierlich.

Der große Vorteil eines Sparplans ist, dass der Anleger zur Selbstdisziplin findet. Denn er hat sich verpflichtet, jeden Monat einen bestimmten Betrag einzuzahlen. Und er bleibt flexibel, denn die meisten Sparpläne kann man pausieren oder auch auflösen.

Für den direkten Kauf braucht es nur ein Depot bei der Bank, entweder analog oder online. Dabei handelt es sich um nichts anderes als ein Konto für Aktien oder andere Wertpapiere. Vom Verrechnungskonto bucht die beauftragte Bank den für den Kauf benötigten Betrag ab. Beim Verkauf des Investments schreibt sie den Erlös auf dem Verrechnungskonto gut. In unserem Broker Test stellen wir günstige Depots vor.

Wer den ETF also selber an der Börse kauft, kann davon ausgehen, dass er jederzeit über die Anlage verfügen kann. Die Auswahl über eine Bank oder einen Sparplan kann langwierig sein, und für jede Transaktion muss man mit Gebühren rechnen, auch wenn die meisten Institute mittlerweile mit der Flexibilität der Einlage werben.

Stichwörter

, ,

Wer schreibt hier?

Oliver Drägert
Ich bin der Gründer von Depotscanner.de. Seit den Neunzigerjahren fasziniert mich die Börsenwelt. Mein Motto: Die beste Zeit zum Investieren ist genau jetzt - es gibt immer Chancen. Außerdem entwickle ich gern Websites. Nimm einfach Kontakt mit mir auf, falls du Fragen zu diesem Beitrag oder meinem Finanzblog hast.
Unsere Inhalte sind unabhängig und sorgfältig recherchiert. Um diesen Service anbieten zu können, sind einige Links auf dieser Seite mit Vergütungen durch Partner verknüpft. Für unsere Nutzer entstehen dadurch keine Kosten.