Market Maker sorgen für Kurse, wenn gerade wenig gehandelt wird

Der Market Maker wacht über die Kurse

Die meisten Anleger sind von den Vorteilen des elektronischen Handels überzeugt. Denn auf Xetra oder anderen automatisierten Handelsplätzen kommen die Kurse unmittelbar durch Käufe oder Verkäufe an andere Investoren zustande. Die Preise sind deshalb marktgerecht, und Manipulationen durch einzelne Händler nahezu ausgeschlossen.

Aber nicht immer findet ein reges Treiben an den Märkten statt wie in den Haupthandelszeiten. Dann sind es die Market Maker, die für das notwendige Angebot sorgen.

Was ist ein Market Maker?

Die elektronischen Börsen werden von Unternehmen wie der Deutschen Börse AG betrieben, die Kooperationen mit Banken eingehen, die den fortlaufenden Handel auch in umsatzschwachen Zeiten garantieren sollen. Deshalb sitzen an den Börsenterminals Mitarbeiter der jeweiligen Bank, die gegebenenfalls Kurse stellen, damit die Anleger auch bei wenig nachgefragten Investments einen Gegenpart finden und einen Handel eingehen können.

Allerdings finanzieren sich diese Market Maker und ihre Geldinstitute durch die von ihnen ermöglichten Geschäfte. Denn die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, der sogenannte Spread, ist gleichzeitig ihr Gewinn.

Wie arbeitet ein Market Maker?

Durchaus legal, aber oft zum Nachteil der Anleger, sind „künstliche Aktienkurse“ bei an der Börse gehandelten Werten. Denn sogar der Handel auf Xetra findet nicht ausschließlich elektronisch statt. Bei nicht ausreichender Liquidität werden die „Designated Sponsors“ aktiv, also die „ausgewählten Betreuer“.

Als liquide wird eine Aktie bezeichnet, wenn ihr durchschnittlicher Orderbuchumsatz größer ist als 2,5 Mill. Euro täglich. Der Market Maker hat im anderen Fall die Aufgabe, bei geringem Handelsvolumen die Aktien selbst zu verkaufen oder zu kaufen. Er betreibt dann im eigenen Interesse „Kurspflege“ im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, weil er sich und seine Bank durch für sie günstige Konditionen finanziert.

Drei Formen des Market Makings

Das Stellen der Kurse kann auf drei unterschiedliche Arten vorgenommen werden.

  • Die „Regular Quotation“ ist eine Form, bei der ein Kunde den Preis für ein Wertpapier in seinem Handelssystem anfragt. Dann gibt der Market Maker einen Kurs ein, den der Käufer annehmen oder ablehnen kann.
  • Beim „Permanent Market Making“ findet der Anleger dauerhaft aktualisierte Kauf- und Verkaufsaufträge in seiner Ordermaske.
  • Das „Advanced Market Making ist die dritte Möglichkeit, den Handel zu organisieren. Dann sind von der jeweiligen Börse festgelegte Mindestkriterien zu beachten, die eine Rückvergütung für die Bank garantieren.

Können Market Maker Kurse „manipulieren“?

Wie oben bereits angedeutet, befindet sich der Market Maker ständig in einem Interessenkonflikt. Einerseits soll er nach der jeweiligen Börsenordnung marktgerechte Kurse stellen, andererseits erzielt er durch den Verkauf von Assets seinen Gewinn, mit dem er sich und die Bank finanziert.

Deshalb versucht er bisweilen, einen Trade etwas zu verzögern, einen weiteren Spread zu stellen oder einfach den Kurs auszusetzen. Besonders bei plötzlichen Kurssprüngen ist dies oft der Fall, ebenfalls wenn wichtige Veröffentlichungen anstehen. Dann erscheinen in der Ordermaske des Kunden häufig kurz vor dem zu erwartenden Ausbruch gar keine Kurse, und dem Anleger entgehen bei dieser „Handelsverweigerung“ oft deutliche Gewinne.

Der Market Maker verfügt außerdem über Informationen, die ein Anleger in den meisten Fällen nicht hat. So hat er Kenntnis von den Stop-Kursen seiner Kunden, und im für den Anleger ungünstigen Fall nutzt er sein Wissen aus, um ein „Stop Loss Hunting“ zu betreiben. Mit anderen Worten, er versucht, eine aktive Order nach der anderen „abzuräumen“ oder „Limits zu fischen“.

Dies geschieht, indem er seine gestellten Kurse an die Stops seiner Anleger anpasst. Hat er schließlich die Investments vom Markt genommen, also seinem Portfolio einverleibt, platziert er sie anschließend wieder zu Marktpreisen und macht so einen zusätzlichen Gewinn. Denn der Kurs, zu dem er gekauft hat, entsprach nicht dem realistischen Marktwert des Investments.

Bei Optionen und Optionsscheinen ist ein anderes Phänomen häufig zu beobachten, das allerdings grundsätzlich den üblichen Gepflogenheiten des Handels entspricht. Denn Güter, die sich einer starken Nachfrage erfreuen, werden zu höheren Preisen angeboten und umgekehrt.

Der Market Maker verhält sich ebenfalls nach diesem Muster, und er setzt den Preis für Optionen herauf, wenn die Nachfrage steigt. Üblicherweise werden in positiven Märkten Verkaufs-Optionen zur Absicherung stärker nachgefragt, also kosten sie den Anleger etwas mehr als die Kauf-Option.

Mit dem Optionspreis-Modell von Black/Scholes ist dieses Verhalten allerdings nicht vereinbar. Der Market Maker zweckentfremdet die implizierte Volatilität, um den Preis nach seinen Vorstellungen zu korrigieren. Der Investor aber erhält sein Wertpapier zu einem überhöhten Preis, der in der Folge seine Gewinne oft deutlich reduziert.

Wer schreibt hier?

Oliver Drägert
Ich bin der Gründer von Depotscanner.de. Seit den Neunzigerjahren fasziniert mich die Börsenwelt. Mein Motto: Die beste Zeit zum Investieren ist genau jetzt - es gibt immer Chancen. Außerdem entwickle ich gern Websites. Nimm einfach Kontakt mit mir auf, falls du Fragen zu diesem Beitrag oder meinem Finanzblog hast.
Unsere Inhalte sind unabhängig und sorgfältig recherchiert. Um diesen Service anbieten zu können, sind einige Links auf dieser Seite mit Vergütungen durch Partner verknüpft. Für unsere Nutzer entstehen dadurch keine Kosten.